Aktuell

Stundenpläne Schuljahr 2026/27

Die Stundenpläne für das Schuljahr 2026/27 haben alle Schülerinnen und Schüler am Wellentag erhalten und sie sind auch hier auf der Website zu finden.

Entdeckerpass für Kinder und Jugendliche

Ausstellungen Schuljahr 2025/26

Rückblick Theateraufführungen Oberstufen Klassen A und B

Jetz chunnts nid guet? Von wegen!

Warum Schangnau das neue Broadway ist

Mittwochabend im beschaulichen Schangnau. Wer nun spöttisch behauptet, dass sich hier im hintersten Emmental Fuchs und Hase nicht nur gute Nacht sagen, sondern wahrscheinlich auch gemeinsam ein Nickerchen machen, der irrt gewaltig. Schliesslich hat hier kein Geringerer als Beat Feuz gelernt, wie man auf zwei Latten die Gesetze der Schwerkraft aushebelt. Der Bumbach prägt eben – und das nicht nur im Schnee, wie sich im ehrwürdigen Saal des Gasthofs Löwen eindrücklich zeigen sollte.

 

Gegen 20 Uhr füllt sich die ehrwürdige Gaststube im traditionellen Landgasthof. Die Tische: lang. Das Prinzip: Man kennt sich, man duzt sich. Die Hauptthemen des Abends: Das Wetter und die Heuzeit, denn es ist heiss. So richtig heiss. Doch der wahre Feuerzauber sollte erst noch kommen.

 

Schwiizerörgeli und Stimmbruch-Potenzial

 

Vorhang auf für das Abschlusstheater der Oberstufe Schangnau! Der Titel des abendfüllenden Stücks verheisst Drohendes: «Jetz chunnts nid guet!». Die Lehrerschaft kündigt vorsorglich an, dass es viele Lacher geben wird, es zuweilen aber auch leicht unter die Gürtellinie gehen könnte. Man habe das aber selbstverständlich im Vorfeld ausführlich mit den Schülerinnen und Schülern diskutiert. Pädagogisch wertvoll abgefederte Grenzüberschreitungen also. Die ersten Lacher im Saal sitzen, noch bevor das erste Wort gesprochen ist.

 

Und dann: Vorhang auf!

 

Der Auftakt: Zwei «Örgeler» legen mit ihren Schwiizerörgelis einen fulminanten, musikalischen Start hin. Hühnerhaut pur! Für einen kurzen Moment könnte man meinen, der Höhepunkt des Abends sei bereits erreicht.

 

Der Gesamtchor: Wer glaubt, das Pulver sei verschossen, wird eines Besseren belehrt. Es folgt der Gesamtchor inklusive Jodeleinlagen. Kräftige Stimmen, messerscharf artikulierte Texte. Gut, im Bass besteht hier und da noch ein wenig biologisches Entwicklungspotenzial – aber schliesslich stecken eben noch nicht alle Sänger im Stimmbruch. Sichtbare Freude am gemeinsamen Musizieren. Beeindruckend!

 

Das Highlight: Ein Jodelduett zweier Mädchen. Tief durchatmen, Mund offen stehen lassen. An Authentizität nicht zu überbieten, das geht durch Mark und Bein. Tosender Applaus! Ein Vortrag, der direkt ins Herz trifft.

 

Minimalismus schlägt High-Tech

 

Dann öffnet sich der schwere, tiefrote Samtvorhang für den schauspielerischen Hauptgang. Wer nun eine Materialschlacht im Stile moderner Musical-Produktionen erwartet, wird enttäuscht – respektive beglückt.

 

Keine Scheinwerferflut, keine LED-Strahler, kein High-Tech-Mischpult, keine «Verfolger». Das Bühnenbild: schlicht, elegant, mitreissend. Kein Bühnenspektakel, das verzweifelt versucht, fehlenden Inhalt zu kaschieren.

 

Es lebe die Einfachheit!

 

Was die Jugendlichen da abliefern, ist die perfekte Inszenierung einer leichten, süffigen Komödie. Kaum Hänger, flüssig vorgetragen, schlagfertig und mit einer Spielfreude, bei der die Charaktere nicht nur gespielt, sondern regelrecht gelebt werden. Vergessen ist der graue Schulalltag, weggewischt das mühsame passé composé oder die verhassten Kommaregeln – hier wird mit purer Inbrunst agiert.

 

Zwei Stunden vergehen wie im Flug. Das Publikum hängt förmlich an den Lippen der Schauspielenden. Und das Beste: Keine Mikrofone! Alles wird mit kräftiger, natürlicher Stimme bis in die hinterste Reihe transportiert. Da können sich manche Profi-Ensembles, die ohne Headset nicht einmal mehr „Guten Tag“ sagen können, eine dicke Scheibe abschneiden.

 

Das Fazit eines „alten Hasen“

 

Ich habe in meinem Leben wahrlich schon viele Theater gesehen und stand selbst zehn Jahre lang als Pfarrer auf der Bühne der Tell-Freilichtspiele in Interlaken. Ich weiss also im wahrsten Sinne des Wortes, wovon ich rede, wenn es um dramatische Auftritte geht.

 

Und mein – na ja – professionelles Urteil lautet: Die Aufführung im «Löwen» ist kaum zu überbieten.

Dabei darf man nicht vergessen, welche gewaltige Fleissarbeit hinter einem solchen Abend steckt. Die schiere Menge an Text, die die Trägerinnen und Träger der Sprechrollen auswendig lernen mussten, verdient höchsten Respekt. Ebenso das Engagement aller Beteiligten vor, auf und hinter der Bühne.

 

 

Liebe Oberstufe Schangnau: Von wegen «Jetz chunnts nid guet». Das war grosses Theater im besten Sinn – authentisch, mitreissend und voller Leidenschaft. Chapeau!

 

 

jean-luc lehmann, konolfingen

letztes Update: 22.06.2026